Das Kyffhäuser-Denkmal unweit unseres Flugplatzes

Wir sind ein ca. 80 Mitglieder (Stand: März 2015) umfassender Segelflugverein im grünen Herzen Deutschlands. Wir haben derzeit 43 aktive Piloten. Davon besitzen rund 37 PPL-C, 8 TMG und einige Mitglieder die PPL-A-Lizenz. Mit dabei sind auch 11 Flugschüler und 5 Fluglehrer.

Auf unserem vereinseigenen Flugplatz südlich des Kyffhäusers betreiben wir neben Segelflug und Segelflugschulung auch Motorsegelflug, Motorflug, UL-Flug und Fallschirmspringen. Dafür stehen uns zahlreiche vereinseigene und private Flugzeuge zur Verfügung. In unserem Verein sind alle Altersklassen vertreten. Am Platz haben wir neben der Flugzeughalle u.a. noch eine eigene große Werkstatt, einen Schulungsraum und eine Kantine. Daher ist bei uns das gesamte Jahr über für ein tolles Vereinsleben gesorgt.

Neuanfänger finden in unserem Verein beste Ausbildungsbedingungen vor. So stehen Ihnen zur Zeit 5 Fluglehrer zur Seite, welche eine umfassende Ausbildung in Theorie und Praxis garantieren. Unsere 10 vereinseigenen Segelflugzeuge, welche zur Zeit der modernste Flugzeugpark Thüringens sind, der Motorsegler sowie das Schlepp- und Absetzflugzeug "Wilga" lassen auch in der fliegerischen Ausbildung keine Wünsche offen. Eine Ausbildung bis zum ersten Alleinflug binnen Jahresfrist (z.B. innerhalb einer Saison) ist durchaus zu schaffen. Darüber hinaus stehen dann auch leistungsstarke Ein- und Doppelsitzer für Leistungsflüge zur Auswahl. Da wir über eine eigene Werkstatt verfügen, nehmen wir sämtliche größere und kleinere Reparaturen und Durchsichten natürlich selber vor. Dies geschieht dann meist im Winterhalbjahr. Somit ist auch außerhalb der eigentlichen Flugsaison (von April bis Oktober) für ein reges und erfüllendes Vereinsleben gesorgt. So trifft man sich nach Beendigung des Flugbetriebes oder des Werkstattdienstes in unserer Kantine "Trudelklause" oder abends am Grill. Im Verein ist jeder für jeden auch mal ganz privat da. Zudem existiert für die "jüngeren" Flieger eine Jugendgruppe. Da zahlreiche Mitglieder während der Flugsaison von April bis Oktober das gesamte Wochenende auf dem Platz verbringen, haben wir unseren kleinen eigenen Ort gegründet - "Trudelcity". Natürlich sind hier auch andere Flieger herzlich willkommen. Das gesamte Jahr über finden auch zahlreiche Veranstaltungen statt. 1992, 1997, 2006 und 2011 war unser Platz z.B. Austragungsort für Meisterschaften im Strecken- oder Kunstsegelflug. Das jährliche "Mega-Event" ist natürlich das Flugplatzfest im Sommer - die größte Flugschau Thüringens. Des weiteren finden bei uns gelegentlich auch Lehrgänge im Segelkunstflug, Lehrerfortbildungen u.ä. statt. Darüber hinaus führt die Jugendgruppe auch noch zahlreiche andere Unternehmungen durch.

Wir freuen uns jederzeit über Gäste mit oder ohne Flugzeug, zu Lande oder aus der Luft! Außerdem suchen wir immer nach neuen Mitgliedern. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die unter Kontakt angegebene Adresse, oder besuchen uns einfach an einem sonnigen Wochenende.

Vereinsgeschichte

Hans Grade - Luftfahrtpionier

Die Geschichte des Flugsports in Bad Frankenhausen und damit auch die Geschichte unseres Vereins begann vor mehr als 100 Jahren. Wichtige Meilensteine, die zur Flugsportbegeisterung und zum aktiven betreiben dieses Sportes beitrugen, waren die Gründung des Kyffhäusertechnikums 1896 in Bad Frankenhausen, sowie die Schauflüge und Vorträge des deutschen Flugpioniers Hans Grade in unserer Stadt im Jahre 1911. Der Aeroclub "Hans Grade" e.V. in seiner jetzigen Konstellation wurde am 18.Januar 1990 gegründet und als Verein Nr.1 in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Artern eingetragen. Nachdem in den ersten Jahren der Wiedererwerb der in den letzten "Vorwendejahren" verlorenen Pilotenlizenzen, der Aufbau der technischen Ausrüstung nach den Erfordernissen sowie die Ausbildung neuer Piloten im Vordergrund standen, steht nunmehr ein vielfältiges Luftsportleben mit dem Schwerpunkt Leistungssegelflug aber auch beständige Nachwuchsgewinnung mit Ausbildung im Mittelpunkt unserer Aktivitäten.

Hans Grade - der Namensgeber

Am 17.Mai 1879 wurde Hans Grade in Köslin geboren. Als Hans 15 Jahre alt war, hörte er von den Flugversuchen Otto Lilienthals. Er selbst baute während seiner Schulzeit Flugmodelle und ärgerte sich, weil viele Menschen damals sagten: „Der Mensch lernt niemals fliegen!“ Von 1899 bis 1900 arbeitete er nach seinem Abitur als Volontär in einer Maschinenfabrik in Grevenbroich bei Köln. Hier erlangte er zahlreiche Fähigkeiten, die ihm später von großem Nutzen waren. Von 1900 bis 1904 besuchte er die Technische Hochschule in Berlin-Charlottenburg.
Mit diesem Ingenieurstudium erwarb er alle Voraussetzungen um sich beruflich selbständig zu machen. So eröffnete er in seiner Heimatstadt Köslin eine Werkstatt für Motoren- und Motorradherstellung. Er selbst nahm auch an Motorradrennen teil. Bald verlegte er seine Werkstatt nach Magdeburg. Hier baute er jetzt Zweitaktmotoren. Inspiriert durch den ersten Motorflug der Gebrüder Wright 1903 verfolgte er den Gedanken mit seinem Zweitaktmotor eine Antriebskraft für steuerbare Flugapparate zu entwickeln. Als Einjährig Freiwilliger diente er von 1907 bis 1908 im Magdeburger Pionierbataillon Nummer 4.

In diesem militärischen Ausbildungsjahr arbeitete er heimlich in einem Schuppen am Krakauer Platz in Magdeburg am Aufbau einer Flugmaschine. Bald bekam er dafür sogar jeden Tag ab 14.00Uhr dienstfrei. Grade wusste, dass z.B. die Franzosen oder auch der Däne Ellehammer in Europa schon geflogen waren. Ein Deutscher war dagegen noch nicht mit einem Flugapparat länger in der Luft gewesen. 1908 waren in seinem geheimnisvollen Schuppen die Arbeiten an einem Dreidecker-Flugapparat weit fortgeschritten. Die Stahlrohrkonstruktion enthielt zusätzlich Bambus und Leinwand. An einem selbst entwickelten Motor befestigte er einen stählernen Propeller. Seine zukünftige Frau, Käthe Grothum, nähte die Bespannung für die Flächen. Der Großindustrielle Dr. Karl Lanz setzte in diesem Jahr einen Preis in Höhe von 40000 Mark für denjenigen Deutschen Flieger aus, der es schaffen würde mit einer in Deutschland gebauten Flugmaschine um zwei 1000 Meter entfernte Wendemarken eine acht zu fliegen. Im Oktober 1908 verließ Hans Grade das Militär und führte mit seinem Dreidecker Rollübungen auf dem Krakauer Anger durch. Am 28.10.1908 war es dann endlich soweit. Er flog erstmals 8 Meter hoch und 60 Meter weit. Dies stellt den ersten richtigen Maschinenflug in Deutschland dar. „Mir geht es bei allem nur ums fliegen, selbst wenn ich den Lanz-Preis gewinnen sollte.“ So argumentierte Grade und versuchte bei dem Bau einer neuen Maschine einen leichteren Motor zu verwenden und mit einem Eindecker bessere Flugeigenschaften zu erzielen. Dabei wurden ihm die Finanzen knapp. Er verließ das Versuchsgelände in Magdeburg, wo viele Neugierige auf dem Platz auch zu einer Gefahr bei Start- und Landeübungen wurden. Mit Sack und Pack zog er nach Borckheide bei Beelitz. Inzwischen war er auch mit Käthe verheiratet. Um ihre Lebensexistenz aufzubauen, musste er nun alles wagen, um die 40000 Mark zu gewinnen. In Borkheide führte er seinen Grade-Eindecker „Libelle“ vor. Er lernte Kurven zu fliegen und am 11.09.1909 umflog er den Flugplatz dreimal. Das war ein deutscher Rekord von 2 Minuten und 6 Sekunden. Zu dieser Zeit flogen die Franzosen schon über den Ärmelkanal, Wilbur Wright, der Amerikaner, flog schon 124 Kilometer weit. Am 30.10.1909 erflog Hans Grade auf dem Flugplatz Johannisthal-Adlershof bei Berlin den Lanz-Preis der Lüfte und erhielt die 40000 Mark ! Grade war kein Geschäftsmann. Er blieb in Borkheide und eröffnete eine Flugschule. Neben seiner Fabrik sicherte er sich mit dieser Flugschule ein zweites Standbein. Er selbst erhielt Anfang 1910 sein Pilotenzeugnis. Weil er seinen Antrag zu spät stellte, erhielt er nach Alfred Euler das deutsche Pilotenzeugnis Nr.2, obwohl er der erste deutsche Motorflugpilot war. Mit seinem Einsitzer, der „Libelle“, flog Grade in verschiedenen Gegenden, so z.B. über Spreewald, Riesengebirge und im März 1911 auch in Bad Frankenhausen. Er sah in seinem Flugzeug immer ein Sportgerät und auch in dem militaristischen Kaiserreich nie ein Militärgerät.

Fliegen in schöner Umgebung ist erfüllter Lebenstraum.

Das sagte Hans Grade in einem Vortrag vor Studenten des Kyffhäusertechnikums in Bad Frankenhausen. 1914 tobte der erste Weltkrieg. Grade musste seine Werkstatt für Flugzeugreparaturen zur Verfügung stellen. Nach Ende des Krieges baute er Automobile, auch Rennwagen. Die zweisitzigen Kleinwagen erinnerten in ihrer Form an einen Flugzeugrumpf. Seine Rennwagen siegten auf den Langstrecken Berlin-Paris und Berlin-Riga. In Großstädten beteiligte er sich mit seiner „Libelle“ an Flugveranstaltungen. Da er kein Anhänger des Naziregimes war erhielt er keine Förderung. So lebte er von zahlreichen Patenten, welche er gesetzlich geschützt hatte. Fast vergessen verstarb er am 22.10.1946 im alter von 67 in der Gemeinde Borkheide. Heute tragen Straßen und Fliegerclubs seinen Namen. Gedenktafeln erinnern hier und da an seine Wirkungsstätten. Sein lehrreicher Vortrag im Hotel „Bellevue“ in Bad Frankenhausen bleibt ohne sichtbare Erinnerung. Der Aufruf, eine Bronzetafel am „Bellevue“ anzubringen stieß auf taube Ohren. Der Aeroclub „Hans Grade“ Bad Frankenhausen e.V. soll an den ersten Flieger über Bad Frankenhausen erinnern.